Preisverleihung 2017

Ein Hörfunk-Preis 2017 geht an

Christian Schiffer, Christian Alt (Autoren) und Nikolai von Koslowski (Regie)
für
Schöner neuer Wahn. Eine Verschwörungstheorie Marke Eigenbau
BR 2016, Redaktion: Dokumentation und Feature, Koproduktion: Deutschlandfunk


Begründung der Jury


Christian Schiffer, Christian Alt 

Das aus O-Tönen komponierte Radiofeature „Schöner neuer Wahn. Eine Verschwörungstheorie Marke Eigenbau“ beginnt wie eine gelungene Satire. Schnell wird aus dem Spaß ungemütlicher Ernst, wächst das Unbehagen über den Erfolg der Ausgangsidee. Auch bei den Autoren Christian Schiffer und Christian Alt selbst. Die Idee: Eine Art Do-it-yourself-Verschwörung. Die These: Rauchmelder hören uns ab. Nur ein entsprechend amateurhaftes Video ins Internet hochladen und auf virale Verbreitung hoffen. Seiten wie YouTube, Gruppenchats und Blogs warten immer auf neues Futter.


Nikolai von Koslowski 
Verschwörungstheorien boomen, aber nicht nur im Netz, und das ist keineswegs lustig. Abstruse Vorstellungen werden als Tatsachen verbreitet und prägen inzwischen Mainstream-Meinungen. Schiffer und Alt bringen in der Regie von Nikolai von Koslowski unterhaltsame Leichtigkeit in das brisante Thema, aber nach und nach rückt die politische und gesellschaftliche Dimension bestürzend eindringlich in den Vordergrund. Sie besuchen Kongresse und Workshops, recherchieren zu Aluhüten und Chemtrails, lassen eine junge Frau und ihren verschwörungsgläubigen Vater zu Wort kommen. Als ein selbsternannter „Reichsbürger“ im bayerischen Georgensgmünd im Oktober 2016 einen Polizisten erschießt, stoppen die Autoren ihr Experiment.
„Schöner neuer Wahn“ zeigt dem Zuhörer einen Weg in die Welt der Paranoia – und wieder heraus. Dem Feature gelingt es dabei, sein Thema erschreckend nah und reflektiert zugleich in Hörszenen zu übersetzen. Höchst nachvollziehbar werden so die Belustigung, die Faszination und die Gefahr, die von solchen Weltbildern und ihren Anhängern ausgehen. Man erfährt alles Wichtige, was es zum Verschwörungstheorie-Komplex zu sagen gibt. In Zukunft wird der Hörer die Ansichten gewisser „Spinner“ weniger unbefangen belächeln können.


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